Im Jahr 1956 wurde der hauswirtschaftlich-gewerbliche Teil der beruflichen Schulen im Kreis Altena-Lüdenscheid selbständig und erhielt die Bezeichnung “Gewerbliche Schulen II”. Diese zunächst als “Mädchenberufsschule” bekannt gewordene Einrichtung öffnet sich schon bald auch männlichen Schülern, genauso wie auch Mädchen in zunehmender Zahl eine Ausbildung in bisher traditionellen Männerberufen beginnen.
Ein Schwerpunkt der Bildungsarbeit in der sechziger Jahren ist die Weiterführung des berufs-begleitenden Unterrichts im Rahmen des dualen System für den hauswirtschaftlichen und ernährungswirtschaftlichen Berufen.
Ein zweiter Schwerpunkt ist der Ausbau der ein- und zweijährigen Berufsfachschule des Typs Ernährung und Hauswirtschaft, die als berufsvorbereitende Schule die beruflichen Einstiegsmöglichkeiten vor allem der Mädchen entscheidend verbessert. Dazu kommt im Jahre 1969 die Einrichtung der Fachoberschule als neue Schulform mit der Fachrichtung Sozialpädagogik und Sozialarbeit (heute Sozial- und Gesundheitswesen) mit den Klassen 11 und 12, die zur Fachhochschulreife führt.
Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts zur Erweiterung der Schulgebäude am Raithelplatz 1972 erlaubt eine Konzentration der Schulformen und eine Vergrößerung des Bildungsangebotes. Nach der Umwandlung der Fachschulen für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen in “Fachschule für Sozialpädagogik” wird diese Schulform in Lüdenscheid 1972 eingerichtet.
In den siebziger Jahren werden das Berufsgrundschuljahr und das Berufsvorbereitungsjahr (heute Vorklasse zum Berufsgrundschuljahr) als einjährige Vollzeitbildungsgänge eingeführt. Nach Beendigung der Vollzeitschulpflicht können Jungen und Mädchen eine berufliche Grundbildung in den Berufsfeldern Ernährung und Hauswirtschaft, Gesundheit sowie Körperpflege erwerben und die Anerkennung als erstes Ausbildungsjahr erreichen.
Im Jahr 1977 wird ein “Fördererkreis e. V.” gegründet, und ab 1. Dezember 1978 trägt die Schule den Namen “Gertrud-Bäumer-Schule”. Inzwischen existiert auch ein umfangreiches Gertrud-Bäumer-Archiv.
Bereits Mitte der siebziger Jahre wird ein weiterer Bauabschnitt, einschließlich einer Dreifachturnhalle, in Angriff genommen und am 30. April 1983 seiner Bestimmung übergeben. Steigende Schülerzahlen, insbesondere aber auch das Streben der Mädchen nach einer qualifizierten Berufsausbildung, machen die Erweiterung notwendig.
Das schulische Angebot wird 1984 mit einer vollzeitschulischen Ausbildung zum Damenschneider um Bildungsgänge im Berufsfeld Textiltechnik erweitert.
Im Zuge der Schulentwicklungsplanung kommt es zum 1. August 1988 zur Wiederanbindung des Schulortes Plettenberg an die Gertrud-Bäumer-Schule. Die seitdem anerkannt erfolgreich betriebene Dependancenlösung hat dazu beigetragen, dass Bildungsgänge in den Berufsfeldern Ernährung und Hauswirtschaft, Körperpflege sowie Sozial- und Gesundheitswesen im Lennetal erhalten werden können. Untergebracht ist die Schule in einem 1964 eingeweihten Schulgebäude an der Bredde. Eine erfolgreiche und konsequente Weiterentwicklung vielfältiger Bildungsangebote im Lennetal ist nicht zuletzt durch einen Beschluss des Kreistages aus dem Jahr 1997 möglich geworden, der nach langen Diskussionen die Selbständigkeit des Schulstandortes Plettenberg bestätigte.
Am 23. April 1991 wird eine Schulpartnerschaft mit der Medizinischen Oberschule in Myslenice in Polen unterzeichnet. Im Oktober 1991 gründet sich ein Förderverein, um die ideelle und materielle Hilfeleistung für die Partnerschule zu leisten. Klassenfahrten und vielfältige Aktivitäten diesen seitdem der Intensivierung der Kontakte.
Auch in den letzten zehn Jahren hat das schulische Angebot eine stete Weiterentwicklung erfahren. Mit Beginn des Schuljahres 1992 wird die einer Berufsfachschule für Kinderpfleger wieder eingerichtet. Seit dem Jahr 1998 trägt die “Fachschule für Heilerziehungspflege” dem zunehmenden Bedarf an qualifizierten Kräften in der Heim- und Behindertenpädagogik Rechnung. Ein Bildungsgang, der neben dem Berufsabschluss Erzieher den Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife anbietet, wurde im Jahr 2001 eingerichtet. Im Jahr 2002 wurde das Ausbildungspalette mit dem Berufsabschluss Sozialhelfer um ein neuen sozialen Dienstleistungsberuf ergänzt.
Heute trägt die Schule den Namen “Gertrud-Bäumer-Berufskolleg”. Das Berufskolleg machte diese Umwandlung notwendig und hat gleichzeitig viele Bildungsgänge neu geordnet und weiter entwickelt, in denen alle allgemein bildenden Abschlüsse und berufliche Qualifikationen vermittelt werden.
Im Jahr 2002 wurde das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg zur “Umweltschule in Europa” ernannt.
Innerhalb der 150-jährigen Geschichte des beruflichen Schulwesens in Lüdenscheid und Umgebung beginnt erst in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts die verfassungsmäßig begründete Ausbildung der Mädchen und Frauen, nicht zuletzt gefordert und vorwärts getrieben durch die starke Persönlichkeit Gertrud Bäumers. Ihrem Erbe fühlt sich die Das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg verpflichtet, wenn sie als Typenschule mit den Schwerpunkten Ernährung und Hauswirtschaft, Textiltechnik und Bekleidung, Sozial- und Gesundheitswesen, Körperpflege sowie Sozialpädagogik im südlichen Märkischen Kreis ein vielseitiges Bildungsangebot bereit hält. Es ist gelungen, dem Gertrud-Bäumer-Berufskolleg an den Schulstandorten Lüdenscheid und Plettenberg ein unverwechselbares, eigenständiges Profil unter den Berufskollegs des Märkischen Kreises zu geben.
Heute hat das Berufskolleg mehr als 1.200 Schülerinnen und Schüler, von denen ca. 400 am Schulstandort Plettenberg unterrichtet werden.
Lutz Schäfer / 26. März 2003