“Interkulturelles Projektangebot” für die SchülerInnen im Anerkennungsjahr im Oktober 2004
Die Fachschule für Sozialpädagogik des GBBK Plettenberg veranstaltet im Oktober dieses Jahres im Rahmen eines Seminarblockes ein Studienprojekt in Zusammenarbeit mit der Europaschule in Istanbul. Die 14 sich im Anerkennungsjahr befindlichen angehenden Erzieherinnen müssen vor ihrer Staatlichen Anerkennung verschiedene Seminarveranstaltungen absolvieren. Die Lehrerin für Erziehungswissenschaft Frau Dr. Ulrike Zenk sah in diesem Zusammenhang die Chance, eine dieser Veranstaltungen als Projekt zur Förderung des interkulturellen Austausches durchzuführen, um über die Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede eine kooperative Basis zu schaffen, voneinander zu lernen und Probleme der Integration gemeinsam anzugehen. Im Einzugsgebiet des GBBK Plettenberg haben die vor- und außerschulischen Einrichtungen ebenso wie die Schulen aufgrund eines außergewöhnlich hohen Anteils von Migrantenkindern große Integrationsaufgaben zu bewältigen. Deshalb ist die Fachschule für Erzieher im Begriff, die Qualifizierungsphase der Erzieher mit Blick auf den Erziehungsauftrag der türkischen Migrantenkinder neu zu strukturieren und zu intensivieren. In diesem Rahmen bildet das interkulturelle Projekt einen wichtigen Baustein.
Die Europaschule in Istanbul eignet sich für dieses Vorhaben besonders, da sie sich bemüht, zurückkehrende türkischstämmige Schülerinnen und Schüler aus Deutschland zu sammeln und zu reintegrieren. Diese zwischen zwei Kulturen aufgewachsenen jungen Menschen haben es oft nicht leicht, den an sie gestellten Anforderungen zweier unterschiedlicher Kulturen gerecht zu werden und bekommen daher an der Europaschule spezielle Unterstützung.
“Gerade diese gemeinsamen Probleme bieten eine großartige Chance, auf freundschaftlicher Ebene einen Gedankenaustausch durchzuführen, voneinander zu lernen und gemeinsame Lösungsstrategien zu erarbeiten!”, gibt sich Frau Dr. Zenk zuversichtlich zu den Erfolgsmöglichkeiten des Projektes. Im Mittelpunkt werden neben einem Vergleich von Erziehungszielen und -methoden Fragen der frühkindlichen Förderung der deutschen Sprache als Zweitsprache neben der der Muttersprache stehen. Möglich wurde die Kooperation mit der Europaschule durch die freundschaftliche Beziehung von Frau Dr. Zenk zu Prof. Faruk Sen, die sich aus ihrer gemeinsamen Studienzeit in Münster kennen. Sen ist Leiter des renommierten Zentrums für Türkeistudien in Essen, welches auch für die Bundesregierung in deutsch-türkischen Fragestellungen tätig ist. Er leistete hilfreiche inhaltliche und organisatorische Unterstützung.
Darüber hinaus erfreut sich das Projekt auch finanzieller Unterstützung durch großzügige Spenden der Stiftung der SIHK, der Sparkasse und einer Prämie der Koerber Stiftung aus Hamburg, die das Projekt im Juli 2003 sowohl unter organisatorischen als auch interkulturellen Gesichtspunkten als vorbildlich für andere Schulen und Jugendgruppen ausgezeichnet hat.
Ursprünglich war die Fahrt der Schülerinnen und ihrer beiden Begleiterinnen, Frau Daniel und Frau Dr. Zenk, bereits für das Frühjahr dieses Jahres geplant, wurde aber wegen der massiven Terroranschläge im Frühjahr verschoben.
Weitere unterstützende Begleiter und hilfreiche Kontaktpersonen in Istanbul:
Kenan Ipek (Lehrer an den MEF-Schulen)
Yusuf Kulca (Leiter der Straßenkindereinrichtung Umut cocuklari dernegi)
Nadire Hanim (Leiterin der Jugendeinrichtung Egitim Gönüllileri Dernegi)
Beratende Projektbegleitung:
Zentrum für Türkeistudien in Essen, Prof. Dr. Faruk Sen und Mitarbeiter.
Dieses Projekt wurde finanziell ermöglicht durch eine Spende der SIHK in Hagen und der Sparkasse der Stadt Plettenberg sowie einer Prämie der Körber-Stiftung in Hamburg.
1. Beschreibe deine wichtigsten Erlebnisse und Erfahrungen!
In der Europaschule wurden wir mit sehr viel Wärme und Freude empfangen.
Mir persönlich hat es sehr viel Freude bereitet, mehr über ein türkische
Schulsystem und den Bildungsauftrag (Wissensvermittlung) zu erfahren. Das einschneidendste
Erlebnis für mich dabei war, wie die Lehrer mit sehr viel Ausdauer, Gutmütigkeit
und Freude den Schülern die deutsche Sprache vermittelten. Bereits im ersten
Schuljahr wurde den Kindern, die noch nie zuvor Kontakt mit dieser Sprache hatten,
Deutsch beigebracht. Meiner Meinung nach finde ich es sehr schwer, Kindern,
die gerade eingeschult worden sind, eine Zweitsprache zu vermitteln. Die Lehrer
machten dies jedoch mit sehr viel Fingerspitzengefühl. Dabei war ihnen
die Körpersprache sehr wichtig. Jegliches Handeln und Tun wurde mit Hilfe
von Körpersprache (Gestik und Mimik) begleitet und somit für die Kinder
deutlicher gemacht. Sehr schön fand ich es, dass wir die Möglichkeit
hatten, selber ein Angebot in der Unterrichtsstunde durchzuführen. Erst
da habe ich gemerkt, wie schwer es eigentlich sein kann, einem Kind, das fast
keine Deutschkenntnisse hat, etwas zu vermitteln bzw. etwas zu erklären.
Ich persönlich möchte aus diesem Grund in Zukunft mehr darauf achten,
wie ich mit Migrantenkindern spreche und mit Körpersprache das Gesagte
anschaulicher mache. (Susanne)
Ayla und ich durften einen guten Einblick in die Kindergarten- bzw. Vorschulerziehung
bekommen. Die Erzieherin Michaela strahlte sehr viel Ruhe aus und alle Kinder
waren diszipliniert. Was ich mit in meine Einrichtung nehmen werde, sind die
wirklich einfachen, aber gut gelungenen Rituale/ Regeln im Kindergarten, z.
B. "1,2,3, es ist vorbei" oder "1,2,3, Hände waschen".
Die Kinder begleiten ihr Tun mit Sprache. Das hat mich sehr beeindruckt. Was
auch total klasse ist, dass zwei Erzieherinnen und 18 Kinder in einer Gruppe
sind. Es ist viel besser, wenn die Gruppe nicht so groß ist. (Dominika)
Ich war sehr über die Arbeit, die in der Europaschule durchgeführt
wird, überrascht. Über
die Offenheit der Lehrer, ihre Bemühungen und Flexibilität, um uns
gerecht zu werden. Ich
fühlte mich sehr wohl während des Aufenthaltes in der Europaschule.
Ich kam mit Kindern und Lehrern ins Gespräch. Beschämend fühlte
ich mich, als ich erlebte, wie diese Schule
alles daran setzt, dass ihre Schüler auch etwas von der deutschen Kultur
bzw. Bräuche in
deren Jahreskreislauf umsetzen ( z.B. Ostereier bemahlen, Fastnacht usw. ).
(Anke)
Die Lehrer der Europaschule zeigten uns einmal mehr, wie man jemandem eine Fremdsprache
und eine andere Kultur näher bringen kann. Nicht darauf gefasst, wie gut
sich die Kinder in unserer Sprache zurechtfinden, machten wir es uns zur Aufgabe,
die Tage in der Schule zu nutzen, um von den Erziehungsmethoden der Lehrer zu
profitieren. Wir mussten (leider) feststellen, dass viele Kinder dort die deutsche
Sprache besser beherrschen als die Migrantenkinder bei uns in Deutschland. Die
Kinder hatten dort viel mehr Freiheiten im Unterricht als in deutschen Schulen.
Sie durften sich in der Klasse freier bewegen, ihre Lernposition selbst bestimmen
und sie bestimmten in weiten Teilen die Unterrichtsdynamik. (Linda und Maria)
Des Weiteren hat uns das Einstudieren der Europahymne gemeinsam mit Gülem
und den beiden Musiklehren mit den Sechtsklässlern der Europaschule sehr
bewegt, da die Kinder schnell und aufmerksam gelernt haben. Nachdem wir zusammen
musiziert hatten, stellten sie uns ihre Nationalhymne vor. Jeden von uns musste
dieses tief berühren; und hat es auch. Kinder, die einen solchen Patriotismus
vorleben, kann man nur respektieren und bewundern. Leider können wir dieses
Gefühl nicht in Worte fassen, da es einfach unbeschreiblich war. (Linda
und Maria)
Mich hat am meisten das Gespräch mit den Rückkehrerkindern beeindruckt.
Sie haben von den Konflikten und den Vor- und Nachteilen erzählt, die sie
sowohl in Deutschland als auch in der Türkei haben und von dem Gefühl,
in beiden Ländern eine Außenseiterposition zu haben. (Damaris)
Ich fand ganz toll, dass der Schulleiter Herr Özcelik uns in einem Gespräch
angeboten hat, im Europakolleg ein drei Monate langes Praktikum zu machen. (Dominika)
Wir wurden überall herzlich begrüßt und willkommen geheißen.
Wir hatten nie das Gefühl, ein Störfaktor in dem Alltag der vielen
unterschiedlichen Menschen zu sein. Jeder, egal ob es die Lehrer und Erzieher
in der Europaschule, der Leiter eines Straßenkinderheims, ein Lehrer der
MEF- Schule (die wir selbst gar nicht besucht haben) oder die Leitung eines
vollbesetzten Hortes war, opferten gerne nicht nur ihre Arbeitszeit, sondern
auch ihre Freizeit, um uns die Einrichtungen und die wunderschöne Stadt
mit ihren kleinen "Geheimtipps" zu zeigen. Da wir eine solche Gastfreundlichkeit
bei uns in Deutschland nicht gewohnt sind, waren wir über weite Strecken
sprachlos und tief beeindruckt. (Linda und Maria)
Ich bin sehr froh, so tolle Menschen kennen gelernt zu haben. Wir müssen
uns wirklich gut überlegen, wie wir sind! Wir würden bestimmt nicht
unsere eigenen Termine verschieben, um denen entgegen zu kommen. Das bewundere
ich an den Türken. (Dominika)
Wo auch immer wir in Istanbul waren, wurden wir mit einer Gastfreundschaft empfangen, die wir so aus Deutschland nicht kennen. Manche haben für uns ganz spontan ihre Termine geändert, waren mit uns essen und haben uns die Stadt gezeigt. Alle waren sehr hilfsbereit und zuvorkommend. Das alles hat mich sehr beeindruckt und mein Bild von Türken komplett geändert. Ich habe die türkische Kultur auf eine ganz andere Art kennen und schätzen gelernt. Ich habe die Menschen dort als unkompliziert und flexibel empfunden. (Damaris)
Kenan, ein Lehrer der MEF-Schulen, empfing uns sehr herzlich nach unserer Ankunft
und organisierte uns einen Nachmittag bei einer Jugendeinrichtung eines "freiwilligen
pädagogischen Vereins". Zusammen mit der Leiterin stellte er uns dort
die Erziehungsarbeit vor, in manchen "Klassen" durften wir sogar hospitieren.
An seinem freien Tag (Sonntag!) hat Kenan für uns einen Kleinbus gemietet
und uns alle großzügig im asiatischen Teil der Stadt zum Grillen
eingeladen. "Ein türkischer Mann lässt sich das nicht nehmen"!
Diese Gastfreundschaft, Wärme und aufopfernde Art habe ich zuvor noch nie,
in keinem anderen Land, erlebt und ich bin aus diesem Grunde sehr froh und auch
stolz, diese Erfahrung gemacht zu haben. (Susanne)
Mich hat sehr beeindruckt, wie ein sogenannter "pädagogischer freiwilliger
Verein" in einer Jugendfreizeiteinrichtung fast ohne staatliches Geld eine
so gute Arbeit macht. Die ehrenamtlichen Betätigungen haben mir vermittelt,
was Liebe und Helfen bedeutet. (Ayla)
Ein weiteres Erlebnis war der Besuch bei Yusuf, dem Leiter eines Heimes für
Straßenkinder, der es geschafft hat, eine Gruppe von zwölf Leuten
über zweieinhalb Stunden allein durch seine Art zu erzählen in seinen
Bann zu ziehen. Er schilderte uns die Problematik seiner Arbeit in einer Art
und Weise, wie wir sie noch nicht kennen gelernt haben. Wir können sagen,
dass für uns von diesem Mann Liebe, Wärme und Geborgenheit ausging.
Obwohl wir ihn vorher nicht kannten, ging er mit uns essen, um uns weitere Geschichten
zu erzählen. Es war eine entspannte Atmosphäre, die nichts von einem
Vortrag hatte, sondern eher von einem Essen unter guten Bekannten. Außerdem
stellte sich dieser Mann weiterhin für uns zur Verfügung, um uns weitere
Teile der Stadt Istanbul zu zeigen, die unendlich groß zu sein scheint
und nie wirklich zur Ruhe kommt. (Linda und Maria)
Die meisten Menschen, die in der Straßenkindereinrichtung arbeiten, machen
dies ehrenamtlich. Das hat mich sehr verwundert und beeindruckt, da dies in
Deutschland eher selten vorkommt. (Susanne)
Nicht nur, dass sich Yusuf die Zeit und die Mühe gemacht hat, uns möglichst
bildhaft die Situationen, sein Empfinden, Erlebnisse, Gefühle, die Probleme
der Kinder etc. zu beschreiben, auch Ayla hat an dieser Stelle eine phantastische
Arbeit geleistet und eine Menge dazu beigetragen, dass ich so beeindruckt von
den Erzählungen war und bin. Im Grunde fehlen mir zu diesem Erlebnis die
Worte, da ich nicht nur den Inhalt bzw. die Erzählungen beeindruckend fand,
sondern auch das, was Ayla an dieser und vielen anderen Stellen für uns
geleistet hat. (Bettina)
Aber auch an "terminfreien" Stunden nutzten wir die Zeit, um uns mehr von der türkischen Kultur anzueignen. So gehörte der Besuch eines Hamams (türkisches Dampfbad mit Massage) sowie Besichtigungen der verschiedenen Sehenswürdigkeiten wie der Blauen Moschee, der Hagia Sofia, des Topkapi Palastes oder des Hippodroms, der Süleyman-Moschee, des Großen und des Ägyptischen Basars natürlich zu unseren Aktivitäten. Selbstverständlich bummelten wir über die Galatabrücke über das Goldene Horn zur Istiklal Caddesi und zum Taksimplatz und überquerten auch den Bosporus auf die asiatische Seite der Stadt nach Üsküdar. Immer wurden wir von vielen unterschiedlichen Menschen begleitet und geführt. Auch wir als Schüler hatten uns zur Aufgabe gemacht, die einzelnen Sehenswürdigkeiten selbst vorzustellen und somit zu erkunden. Als außerplanmäßiger Besuch gehörte die Yerebatan- Zisterne zu unserem Programm. (Linda und Maria)
Man durfte die Kultur "leben". Die Atmosphäre in einer Moschee muss man einfach mal erlebt haben. Dass die Frauen von den Männern getrennt werden, wusste ich nicht. Das Ausziehen der Schuhe, die ganzen Regeln in der Moschee, fand ich sehr beeindruckend. Ich konnte mich wirklich entspannt auf den Boden knien und mich in diese Kultur hineinversetzen. (Dominika)
Alle Kinder, alle Lehrer und Erzieher der Europaschule, Kenan, Yusuf und die
Erzieher des Horts haben uns sehr gut empfangen und sich über unseren Besuch
gefreut. Sie waren sehr nett und überaus gastfreundlich (es wurde immer
Süßgebäck, Tee etc. angeboten).
Die Kinder haben bei unseren Angeboten und beim Singen gut mitgemacht und aus
voller Emotion heraus ihre Nationalhymne gesungen.
Die Türken waren stolz uns empfangen zu dürfen. Wir wurden überall
als Ehrengäste angesehen. Die Kinder in der Schule und im Hort haben uns
umarmt und sich über unseren Besuch gefreut. Die Türken sind sehr
stolz auf ihr Land, auf ihre Kultur, auf Atatürk, auf ihre Religion, auf
ihre Nationalhymne. (Anna)
Wir haben Traditionen, Rituale, Angewohnheiten und Feste der Türken kennen
gelernt.
Wir haben erfahren, dass die Türken in Istanbul anders sind als die Türken
bei uns oder als die Türken aus den Dörfern (Kopftuch - Verbot in
den Schulen!). Die Türken leben dort moderner als die Türken hier.
Wir haben ein türkisches Schulsystem kennen gelernt und den Tagesablauf
im Europakolleg. Wir beobachteten, dass die Lehrer dort keinen autoritären
Erziehungsstil ausüben.
Es scheint, dass in Istanbul immer mehr eine Gleichberechtigung zwischen Männern
und Frauen entsteht und die Jungs nicht zu Paschas erzogen und nicht bevorzugt
werden. (Anna)
Ich finde, dass die Erziehung der Türken in der Türkei viel weiter
fortgeschritten ist als die Erziehung der Türken in Deutschland. (Ayse)
Es hat mich teilweise schockiert, wie arm manche Menschen in diesem Land sind. Ich habe "Häuser" gesehen, die teilweise aus Blech und blauen Müllsäcken gebaut waren. Diese Bilder haben mich sehr traurig und nachdenklich gestimmt. Auch die Kinder, die auf der Straße betteln gehen oder etwas verkaufen müssen, sind ein Bild, das ich nicht so schnell vergessen werde. (Susanne)
Als wir auf der Brücke in Galatasaray standen und wir sowohl die asiatische als auch die europäische Seite Istanbuls gesehen haben, war dies einer der schönsten Momente und Erlebnisse für mich. Der Gebetsaufruf ist und bleibt für mich das bedeutendste Erlebnis. (Ayla)
2. Reflektiere, inwiefern dieses Projekt die angestrebten Ziele tatsächlich
realisierte
(->Aneignung eines kulturellen Basiswissens einer türkischen
Kultur, die im Wandel begriffen ist von einer traditionellen zu einer modernen
Erziehung; -> Erhöhung deiner Motivation in Bezug auf interkulturelle
Erzieherarbeit ( Integration und
Sprachförderung ) in deiner Einrichtung;-> Veränderung deines Bildes/
deiner Einstellung von/ gegenüber türkisch-stämmigen Mitmenschen;
->Verbesserung deiner Sensibilisierung für Identitätskrisen bei
Migrantenkindern):
Ich habe durch diese Fahrt viel mehr Hintergrundwissen über die türkische
Kultur erlangt. Mir ist bewusst geworden, wie wichtig Kultur für jeden
Menschen ist, egal ob sie traditionell
oder modern ist. Wichtig ist, dass jeder Mensch sich mit einer Kultur identifizieren
kann.
Diese Erlebnisse erhöhen meine Motivation, mich stark zu machen, mein Wissen
über
andere Kulturen zu erweitern, um fähig zu sein, interkulturelle Erziehung
zu praktizieren.
Nicht nur im Beruf, sondern auch im normalen Alltag, möchte ich versuchen,
mir dies immer
wieder in Erinnerung zu rufen. Ich bin so motiviert, dass ich sogar die türkische
Sprache
erlernen möchte und hoffe, dass ich dies bald umsetzen kann.
Meine Einstellung gegenüber türkisch-stämmigen Mitmenschen hat
sich auf jeden Fall
geändert. Die Typisierungen gegenüber ihnen werde ich versuchen nicht
negativ erscheinen
zu lassen, sondern ich will versuchen, andere Menschen durch meine positiven
Erlebnisse zu
überzeugen, dass mehr Akzeptanz und Respekt gegenüber anderen Kulturen
wichtig ist, um
miteinander leben zu können und auszukommen.
Die Studienfahrt zeigt mir, dass jedes Ziel erreichbar ist, wenn man es wirklich
will und
sein eigenes Verhalten reflektiert und an sich selbst arbeitet, um sensibler
auf die
Bedürfnisse und Belange anderer einzugehen. Mein Ziel ist daran zu arbeiten,
um diese
Sensibilität zu erreichen. Ich kann nicht sagen, ob ich jetzt ab sofort
sensibel genug dafür
bin, um Identitätskrisen bei Migrantenkindern zu erkennen. Ich kann nur
hoffen und daran
arbeiten, dass ich es erreichen werde. (Anke)
Mir ist ganz wichtig geworden, mehr Elemente der türkischen Kultur mit
in den Kindergartenalltag einfließen zu lassen. Die Kinder fühlen
sich sicher wohler und akzeptierter, wenn auch ihre Feste und Bräuche einen
Platz im Kindergarten haben. Es wird ihnen bestimmt viel Spaß machen,
unsere Kultur mit ihren Dingen zu bereichern.
Was die Sprachförderung betrifft, habe ich viel aus der Vorschule des Europakollegs
mitgenommen; dort wurde mit Gestik und Mimik gearbeitet und selbst wenn das
Kind das Wort selbst nicht versteht, so kann es trotzdem den Inhalt verstehen.
Besonders wenn ich an das Gespräch mit den Rückkehrerkindern denke,
wird mir bewusst, wie wichtig es ist, den türkisch-stämmigen Kindern
viel sensibler zu begegnen, einerseits ihre Kultur mit allem was dazugehört
zu respektieren, ihnen andererseits aber auch die Möglichkeit zu geben,
sich in der deutschen Kultur zurecht zu finden und wohl zu fühlen. Ich
möchte, dass sich die Kinder nicht als Außenseiter fühlen, weil
sie Türken sind, sondern dass wir miteinander beide Kulturen leben. (Damaris)
Für mich steht fest, dass ich meine Jahresarbeit auch über die interkulturelle Erziehung schreibe. Ich werde für die ausländischen Eltern einen Elternabend veranstalten und sie über die Wichtigkeit der Muttersprache informieren. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Aber dennoch habe ich bis heute Schwierigkeiten, mich in Deutschland als eine "Inländerin" zu bezeichnen. Ich bin sowohl in Deutschland als auch in der Türkei eine Ausländerin. Deshalb fühle ich mich verpflichtet, den Kindern in meiner Einrichtung zu helfen. (Ayla)
Das Bild von bzw. gegenüber türkisch-stämmigen Mitmenschen hat
sich zum Positiven gebessert. Ich nehme alles zurück, was ich über
die Türkei jemals gesagt habe (vor der Fahrt)!!! Sogar meinen Papa habe
ich überzeugt. Ich werde mich jetzt besser in die Lage der Migrantenkinder
hineinversetzen. Wie die sich wohl fühlen müssen, wenn sie nichts
oder kaum etwas verstehen. Man muss schon unten anfangen, wie Yusuf gesagt hat,
den Eltern erklären, dass es nur den Kindern zu Gute kommt, wenn sie auch
deutsch sprechen können oder lernen. Ich werde auch anders auf die türkischen
Kinder zugehen. Mit mehr Interesse, etwas zu erreichen. Etwas Gutes und Sinnvolles!
(Dominika)
Aufgrund dieser Erfahrungen hat sich meine Motivation in Bezug auf interkulturelle
Erzieherarbeit wesentlich erhöht. Gerade was Integration und Sprachförderung
bereits im Kindesalter angeht. Da ich mir während der Woche in der Türkei
ein grobes Bild der Kultur machen konnte bzw. zumindest einiges dazu gelernt
habe, finde ich es umso wichtiger, schon den Kleinsten auch unsere Kultur näher
zu bringen, um den Kindern das Leben hier in Deutschland zu erleichtern. Ich
finde es faszinierend, dass die Kinder in der Europaschule so viel über
die deutsche Kultur lernen und wissen. Wir dagegen hier in unseren Einrichtungen
in Deutschland wissen sehr wenig bis gar nichts über die ausländischen
Kulturen und in den seltensten Fällen erfahren deutsche Kinder etwas über
sie. Wenn alle Kinder etwas über die Kulturen der anderen Kinder erfahren
würden, würde es vermutlich das Zusammenleben in den Einrichtungen
um einiges erleichtern, da sie durch die Aufklärung mehr Sensibilität
für andere Sitten und Bräuche aufbringen würden und könnten.
(Bettina)
Durch die Erfahrungen, die ich in Istanbul mit den dort lebenden Menschen machen durfte, hat sich meine Meinung über Türken insgesamt sehr verändert. Allerdings musste ich auch feststellen, dass die Menschen in der Türkei mit denen, die hier in Deutschland leben, nicht viel gemeinsam haben. In der Türkei wird auf Gastfreundschaft und einen allgemein sehr zuvorkommenden Umgang mit uns Deutschen sehr viel Wert gelegt, was man von den in Deutschland lebenden Türken nur selten erfährt. Vielmehr scheint es mir so, dass die Türken in Deutschland wohl nur behaupten, ihre Kultur zu pflegen, denn in der Türkei wird zum Beispiel das Tragen von Kopftüchern wahrscheinlich nur noch in den Dörfern von der alten Generation gepflegt. Auch die Weltoffenheit, die in Istanbul praktiziert wird, ist bei den Türken hier in Deutschland eher vom Aussterben bedroht. Diese Tatsache finde ich sehr schade und glaube eben durch diese Erfahrungen, dass es umso wichtiger ist, schon den Kleinsten zu zeigen, dass es noch mehr gibt als Kopftücher tragen und dem Vater oder Bruder als Oberhäupter der Familie blind zu gehorchen und Dinge mit sich machen zu lassen, die Kinder und Jugendliche in Istanbul so gar nicht mehr kennen. (Bettina)
Ich habe mehr Verständnis für die Migrantenkinder (und für ihre
Identitätskrise) bekommen, da wir mit den Rückkehrern über ihre
Probleme gesprochen haben. Ich werde nun mehr auf die Migrantenkinder achten
und mir in meiner Einrichtung Projekte zur Spracherweiterung und zur Sprachförderung
vornehmen. Ich werde Projekte veranstalten, die sich auf die türkische
Kultur beziehen, damit die deutschen Kinder die türkische Kultur sowie
das türkische Essen kennen lernen. Ich werde versuchen, ihnen die türkischen
Feste näher zu bringen (wie z. B. das Zuckerfest ); dazu werde ich mich
noch mehr über die türkische Kultur und Religion erkundigen. Ich werde
nun mehr auf eine interkulturelle Erziehung achten
und versuchen, die Migrantenkinder mehr in die Gruppen zu integrieren.
Mich interessiert die türkische Kultur mehr als vorher, da ich die Kultur
vorher nur grob oder gar nicht kannte. Meine Einstellung gegenüber den
Migrantenkindern hat sich verbessert, da ich nun durch das Gespräch mit
den Rückkehren erfahren habe, wie schwer die Kinder es in einem fremden
Land haben.
In Istanbul wurde mir noch bewusster, wie langsam und gut verständlich
man mit den Kindern sprechen und dass man deutlich artikulieren muss. Wir sollten
nicht nur Überlegungen anstellen und über die Probleme reden, sondern
wir sollten mehr planen und diese Pläne auch in die Realität umsetzen.
(Anna)
Ich hoffe, dass immer mehr Menschen den Migranten eine Chance geben und diese
sich so auch besser einleben können. Denn ich denke, dass es allein an
unserem Handeln liegt, wie sich diese Menschen gegenüber uns verhalten
und öffnen. Durch das Gespräch mit den Rückkehrerkindern (von
Deutschland in die Türkei) ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie
schwer es diese Kinder und Jugendliche eigentlich haben. Sie werden von den
anderen ausgegrenzt, mit einer anderen Kultur und Sprache konfrontiert. Das
muss alles sehr schwer und auch frustrierend für diese Kinder sein. Von
daher möchte ich für die Zukunft versuchen, den Migrantenkindern mit
mehr Einfühlungsvermögen, Wärme und Offenheit zu begegnen. Meiner
Meinung nach ist es für diese Kinder sehr wichtig, dass man ihnen zuhört
und sie in ihren Sorgen und Ängsten versteht. Denn so können sie sich
öffnen und positiver in ihre Zukunft sehen (sie fühlen sich nicht
allein gelassen und merken, dass auch sie dazu gehören). (Susanne)
3. Schätze das Projekt und seine Organisation insgesamt ein!
Für mich persönlich ist dieses Projekt auf jeden Fall gelungen. Durch
die im Vorfeld vorgenommenen organisatorischen Abwicklungen wie Telefonate,
Terminabsprachen, Hotel- und Flugbuchungen zu unseren Gunsten durch Frau Zenk
und Ayla und durch die bereitwillige Kooperation und Flexibilität unserer
Kontaktpersonen war jeder Tag interessant, wissensreich und lehrreich. Dies
habe ich der sehr gut durchdachten Vorbereitung von Frau Dr. Zenk zu verdanken.
Besser hätte man diese Studienfahrt nicht vorbereiten und durchführen
können, um das zu erreichen, was ich in Istanbul erleben und erkennen durfte.
(Anke)
Ich halte das Projekt für sehr gelungen, wir haben viel erlebt und gesehen und ich werde ganz viel davon mit in meine Praxis nehmen und versuchen umzusetzen. Ich halte die Integration für eine große Aufgabe und Verantwortung und bin dankbar für das Hintergrundwissen, was ich in Istanbul bekommen habe, dass uns die Menschen dort so herzlich aufgenommen haben und uns ein Stück Einblick in ihr Leben und ihre Art zu denken gegeben haben. (Damaris)
Das Projekt ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Wir haben sehr viel
gelernt (vor allem wie wichtig Gastfreundschaft ist!). Wir haben gelernt, wie
wichtig es ist, sich gegenüber ausländischen Gästen und Migrantenkindern
freundlich zu verhalten.
Wir haben in kurzer Zeit sehr viel über die türkische Kultur, Religion
und über türkische Traditionen erfahren. (Anna)
Vieles der Stadt gab nicht unsere vorherige Sichtweise wieder. Man muss sagen,
dass viele von uns mit anderen Vorstellungen in dieses Projekt eingestiegen
sind. Diese "falschen Vorstellungen" wurden mehr als nur revidiert.
Die Stadt ist in weiten Teilen viel moderner und zeitgemäßer und
traditioneller als manche Städte in Deutschland. In Istanbul treffen mehrere
Komponenten aufeinander. Dort ist zum einen die traditionelle Seite mit verschiedenen
Basaren, sehr traditionell gehaltenen Restaurants und sehr gläubigen Menschen.
Auf der anderen Seite sieht man moderne Geschäfte, sehr emanzipierte Frauen
und auch "Männer, die einen Kinderwagen" schieben können.
In der Türkei, speziell in Istanbul, treffen viele Kulturen aufeinander.
Aber keineswegs fühlen sich die Türken dabei in den Hintergrund gedrängt.
Sie bleiben stets freundlich, zuvorkommend und immer hilfsbereit.
Allerdings mussten wir uns auch an manche Gewohnheiten der Türken gewöhnen.
So fiel es uns manchmal schwer zu "handeln" oder aufdringliche Personen
direkt, aber immer noch sehr höflich, zurückzuweisen. (Linda und Maria)
4. Persönliche Anmerkungen:
Ich bedanke mich zutiefst von Herzen, liebe Frau Zenk, für Ihr Bemühen
und Einsetzen für diese Studienfahrt. Ihr soziales Engagement ist unbezahlbar.
(Ayla)
An dieser Stelle möchte ich mich bei Ayla für ihr hervorragendes Engagement
bedanken.
Es ist schwer auszudrücken, was diese perfekte gefühlsvolle Übersetzung
in mir ausgelöst
hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass kein anderer die Erzählungen,
Bedeutungen und den Sinngehalt so gut übersetzen kann, um das wieder zu
geben, was Yusuf zum Ausdruck
bringen wollte. Ayla hat dies geschafft, und mir tut es leid, dass ich erst
so einen Vortrag
hören musste, um diese Leistung zu erkennen und zu honorieren.
Nicht zu vergessen ist die aufopfernde Arbeit im Vorfeld und während des
Aufenthaltes in
Istanbul von Frau Zenk. Sie hat zwei Jahre lang sich für dieses Projekt
eingesetzt und sehr
viel Freizeit geopfert. Sie hat durch ihren Einsatz uns eine perfekte Studienfahrt
ermöglicht
und an einer erfahrungs- und eindrucksvollen Woche teilhaben lassen.
Ich hoffe, dass wir zur Besserung der deutsch-türkischen Beziehung etwas
beitragen
können. (Anke)
Abschließend möchten wir uns noch bei Frau Dr. Ulrike Zenk, Kornelia
Daniel, Ayla und Ayse bedanken, die uns die Fahrt in der Form erst ermöglicht
haben. Ayla und Ayse haben uns durch viele Übersetzungen die Brücke
zu einer interkulturellen Verständigung gebaut. Durch sie wurden wir als
"Touristen" aus mancher Situation, sei es beim Geldwechseln oder auch
beim Handeln um Souvenirs gerettet. Frau Zenk und Frau Daniel waren für
jeden Spaß zu haben und haben uns unseren Freiraum gelassen, um möglichst
alle Eindrücke sehr intensiv aufzunehmen.
Herzlichen Dank der Schulleitung, den Lehrern der Deutschabteilung, den Musiklehrern
und Erziehern, den Europaerzieherinnen, den Kindern und Schülern der Europaschule
für die wertvolle Zusammenarbeit! Lieben Dank Kenan und Yusuf für
alle freundschaftlichen Dienste! Natürlich möchten wir uns auch bei
der Koerber Stiftung bedanken, denn ohne ihre Prämie und ihren Glauben
an das, was wir tun, wäre diese Fahrt nicht möglich gewesen. Ebenso
gilt der Dank der SIHK und der Sparkasse für die Spende. Danke auch dem
ZfT für die zahlreichen Beratungen.
Wir bedanken uns bei allen Leuten, die mitgefahren sind, denn alle haben diese
Fahrt ausschließlich bereichert. Für uns wird es eine beeindruckende
Woche bleiben, die wir nutzen werden, um auch an uns weiter zu arbeiten, damit
wir zu besseren und professionelleren Erzieherinnen werden, die das Tun der
Menschen respektieren und aus Schwächen Stärken machen können.
(Linda und Maria)
Ich habe sehr viel dazu gelernt und vielleicht kann ich auch sagen, dass ich
viel über meine eigene Kultur gelernt habe! (Dominika)