Bericht über die 4. „Exkursion“ der 50:50 Arbeitsgruppe

am 11.12.2009 und 18.02.2010

zur energetischen Situation des Blocks „A“

des GBBK - Schulgebäudes in Lüdenscheid

  • mit freundlicher Unterstützung durch den RWE –

Schulwettbewerb `Pack´s an“-

Die dritte Exkursion unserer 50:50-AG wurde nur im übertragenen Sinne ihrem Namen gerecht, fand sie doch unmittelbar am Schulstandort in Lüdenscheid statt. Immerhin bewegten wir uns im Verlaufe des Arbeitstreffens rund um den gesamten Block „A“ und lernten ihn ganz „neu“ kennen – und das bei lausigen Temperaturen unter Null Grad, reichlich Schnee und einem unangenehmen Wind. Zum Abschluss der Arbeit mit den Wärmebildkameras (s.u.) - überwiegend draußen !! – waren jedenfalls alle Beteiligten froh, wieder ins Warme zu kommen.

Vorab einige Bemerkungen zur Thermografie, damit deutlich wird, um was es inhaltlich bei der Veranstaltung ging, zu der wir als Referenten Herrn Dipl. Ing. John Trenaman, Inhaber eines Bauingenieurbüros in Iserlohn, eingeladen hatten.

Das Verfahren, mit Hilfe einer Wärmebildkamera Bilder zu erzeugen, nennt man Thermografie. Thermografie ist ein bildgebendes Verfahren, das die für das menschliche Auge unsichtbare Wärmestrahlung im Infrarotbereich eines Objektes oder Körpers sichtbar macht. Bei der Thermografie werden Temperaturverteilungen auf Flächen und Gegenständen erfasst und dargestellt. Es handelt sich hierbei um ein `berührungsloses´ Messverfahren, das heißt, es können auch weit entfernte Objekte abgebildet werden. Die Wärmebildkamera wandelt die Daten der Wärmeab-strahlung mit Hilfe von Spezialsensoren in elektrische Signale um, die durch Computer verarbeitet werden können. Mit diesem Verfahren kann ein genaues Bild thermischer Verluste - „Wärmelecks“ - von Gebäuden er-mittelt werden. Zur Erfassung der energetischen Situation eines Gebäudes wird die Thermografie daher zur Überprüfung von Wärmeverlusten eingesetzt. Damit lassen sich Fehler in der Bausubstanz eindeutig nachweisen und entscheidende, verlässliche Hinweise für nachfolgende energetisch wirksame Sanierungmassnahmen stehen somit dem Hausbesitzer zurVerfügung.


mobile Wärmebildkamera

Hier untersucht Herr Trenaman vom Ingenieurbüro BQS, der uns auch in das thermografische Verfahren einführte, mit einer Wärmebildkamera ein typisches Haus der 50er/60er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Das auf den ersten Blick „unauffällige schmucke“ Haus stellt sich auf der kleinen eingeklinkten thermografischen Aufnahme als `Energiefresser´ dar: erhebliche kostenintensive Maßnahmen sind fällig: rote, gelbe oder gar weiße Flächen offenbaren große Wärmelecks: Wände, Dach und Fenster oder auch der Balkon sind so genannte „Wärmebrücken“, geben also viel Wärme an die Umgebung ab. Eine kost-spielige, aber im Sinne der Energieeinsparung nötige und sinnvolle Sanierung steht im wahrsten Sinne „ins Haus“.

Im ersten – theoretischen – Teil der Veranstaltung führten uns Herr Trenaman gemeinsam mit seinem Mitarbeiter, Herrn Engelbrecht zunächst einmal in die Grundlagen der Thermografie ein. Wir lernten, dass die Energie einer Wärmequelle beim Auftreffen auf ein Objekt z.T. in dieses Objekt eindringt (Transmission), dabei Teile der Energie vom Objekt selbst aufgenommen werden (Resorbtion), zum Teil vom Objekt selbst auch zurückgeworfen wird (Reflexion). Die Wärmebildkamera misst nun vor die von einem Objekt insgesamt ausgehende Strahlungsenergie, wobei die Reflexion der von uns selbst ausgehenden Energie uns ganz neue „Porträts“ liefern sollte. Die Kameras sind nämlich so empfindlich, dass sie die von uns selbst abgestrahlte Wärme z.B. vor Fenstern stehend als „Phantombild“ auf den Aufnahmen der Fenster sichtbar machte. Sehr spannend!! Damit wir anschließend an diesen Teil selbst mit den von Herrn Trenaman mitgebrachten Wärmebildkameras (Preis pro Stück: etwa 50.000€!) arbeiten konnten, erhielten wir noch eine Einweisung in die Bedienung der Kameras,
z.B. die Notwendig-keit, vor jeder Aufnahme die Kameras zu kalibrieren, d. h. auf die jeweilige Umgebungstemperatur abzu-gleichen, um nicht irreführende Bilder zu erhalten.Nebenbei lernten wir auch noch ein paar Dinge wie scheinbare Temperatur, die drei Arten der Wärmestrahlung, der Wärmeübertragung etc kennen, um die Kameras sachgerecht einsetzen bzw. die Bilder entsprechend zuverlässig interpretieren zu können. Uns rauchten jedenfalls die Köpfe, aber es war insgesamt hochinteressant und wir waren gespannt darauf, selbst mit den Kameras zu arbeiten.
Dann brachen wir auf zu unserem Gang rund um den Block A auf. Als erstes nahmen wir die Fenster im Zwischentrakt zwischen Block B und A unter die Lupe, sprich versuchten uns mit Hilfe der Wärmebildkameras einen Eindruck von der Isolierung der Fensterscheiben gegenüber der Kälte draußen zu machen. Hier sieht man Miriam Baumgart, wie sie ihre Kamera gerade kalibriert, indem sie sie auf ein Stück Reflexionsfolie richtet, um die Umgebungstemperatur im Raum zu messen, bevor sie dann die Kamera auf die Fenster/-scheiben richtet, um ein gültiges, interpretierbares thermografisches Bild zu erhalten. Bereits hier zeigte der Display der Kamera die Farbe „rot“ in allen Variationen an, d. h. die Wärmeisolierung der Fenster ist miserabel. Das hatten wir allerdings schon zuvor angenommen,
da die Fenster dort im Flur noch aus der Zeit der Errichtung dieses Gebäudeteils aus den 60er Jahren stammen und kaum ein besseres Ergebnis erwarten ließen… Allerdings hatten wir nun den thermografischen „Beweis“ im gesamten rot - gelb – weiß - Spektrum!
Die nächste Station auf unserem Gang war das Treppenhaus im Block A mit dem markanten Band aus Glasbausteinen. Optisch ergibt dieses Lichtband ja einen ganz freundlichen Eindruck mit seinen rautenförmig überein-ander gesetzten Ele-menten. Erst kürzlich wurden dort die alten Fenster am Kopfende dieses Lichtbandes ausgewechselt und wir waren gespannt, welches Ergebnis wir mit unseren Kameras feststellen würden…

Vorweg: das Ergebnis war katastrophal, die Glasbausteine sind nicht isoliert, weil sie nur eine Glasscheibe um-schließen. Hinzu kommt, dass einige der Scheiben in Höhe des ersten Treppenabsatzes offensichtlich mutwillig zerstört worden sind und die Kälte so erst recht ungehindert in das Gebäude eindringen kann. Bei Minustemperaturen wie im letzten Winter so um die 10 – 15 Grad Minus schlagen allein diese „Wärmelecks“ im Hinblick auf die entstehenden völlig unnötigen Energiekosten während einer Heizperiode ganz erheblich zu Buche! Die Wärmeisolierung der neuen Fenster oben hingegen war gut und entspricht den heute gängigen Werten. Weiter untersuchten wir die Flure, das Haupttreppenhaus im Block A mit ganz katastrophalen Ergebnissen im Hinblick auf die Isolierung gegen die Kälte draußen (von Wärmeisolierung kann hier kaum gesprochen werden, die Wirkung der Einfachverglasung dort zusammen mit den Stahlrahmen der Fenster und Türen hat den Isolierwert eines Stücks Papier – so Herr Trenaman in seiner Bewertung – im Prinzip wird dort nach draußen geheizt!

Schließlich half alles nichts mehr – wir mussten aus dem ohnehin kalten Treppenhaus ins Freie in die eisige Kälte, zudem schneite es leicht – `optimale´ Bedingungen für unsere Jagd auf entweichende Wärme mit den Wärme-bildkameras.!! Die Kalibrierung der Kameras war in Anbetracht dieser Umstände eine wahre Freude, wie man hier an Ayse, Miriam und Zerrin deutlich sehen kann, wobei Herr Trenaman ganz in seinem Element war und fachkundige Hinweise gab und angesichts der Kälte Mut zusprach und zur Erheiterung der Beteiligten Ge-schichten aus seiner Heimat in England erzählte...
Wir machten Aufnahmen im Atrium (dort wo sommers über die Hasen von Herrn Schuh vor sich hin mümmeln) – `schlimme´ energetische Situation, Wärmebrücken überall, z. T. freier Austritt der Heizenergie in die Um-
gebung...
(siehe Foto rechts, die roten Flächen sind die Fenster im Erdgeschoß, die weiße Fläche der vor dem Fenster montierte Heizkörper, die sehr viel Wärme ab-strahlen, wohingegen die Fenster oben intakt sind. Der Hasenstall von Herrn Schuh rechts zeigt sich hingegen gut „gekühlt“), hielten die Kameras auf das vor einiger Zeit wärmeisolierte Treppenhaus zur Turnhallenseite hin – kaum Wärmeabstrahlung zu verzeichnen, d. h. die nach-träglich angebrachte Dämmung erfüllt in vollem Umfang ihren Zweck, wunderten uns über die im Erdgeschoss ein-gebauten nagelneuen dreifachverglasten Fenster, deren Fensterscheiben so gut wie keine Wärme nach draußenentließen, dafür aber die Rahmen und erlebten dann auf der Rückseite des Blocks A, als wir das Haupttreppenhaus von außen vor die Objektive hielten, den energetischen Super-Gau in weiß-rot-gelb, d. h. man könnte die nicht isolierten (Stahl) Türen und Fenster fast weglassen, der Unterschied wäre nicht allzu groß… (siehe Foto unten; die einzigen blauen – d. h. kalten - Flächen sind die Türgriffe bzw. die Verkleidung der Kellertreppe…!!)
Nach fast einer Stunde Außenbegehung – immer erläuterte uns Herr Trenaman die Ergebnisse unserer Messungen und machte dabei auf mögliche Fehlerquellen/-interpretationen aufmerksam – kehrten wir ziemlich durchgefroren wieder ins Schulgebäude – glücklicherweise ja der warme B-Block – zurück. Insgesamt eine sehr spannende und informative Veranstaltung, zumal Herr Trenaman immer wieder auch den Bezug zu privaten Häusern und deren Energielecks und Sanierungsmöglichkeiten hinwies.
Untenstehend eine Übersicht über die „üblichen“ Wärmeverluste eines durchschnittlichen ungedämmten Einfamilien-haus aus den 50er bis frühen 70er Jahren (d, h. vor der ersten Energieeinsparverordnung nach der damals ersten Ölkrise) zur Illustration: Seiner Meinung nach sind solche Häuser, die nicht einer gründlichen Sanierung in energetischer Hinsicht unter-zogen werden, auf dem Hintergrund der Energiepreise, die sicher auch noch weiter ansteigen werden, schon in naher Zukunft nicht mehr verkäuflich oder nur noch mit sehr hohen Preisabschlägen! Herr Trenaman erwähnte in diesem Zu-sammenhang das Beispiel seiner bald neunzigjährigen Mutter, die angenommen hatte, vom Verkauf ihres „Häuschens“ den Aufenthalt im Altenheim finanzieren zu wollen – der Verkauf scheiterte daran, dass kein Käufer bereit war, in ihr Haus die erforderlichen Energiesanierungskosten zu investieren…
Jedenfalls hatten wir nach dieser Exkursion „belastbare“ Bilder zur Energiesituation im Block A und dringend er-forderlicher weiterer Maßnahmen über die hinaus, die der Schulträger bereits in den letzten Jahren unternommen hat.

Allerdings fanden wir auch viele Energielecks, die von Seiten der Benutzer des Gebäudes – Lehrer wie Schüler – vermieden werden könnten: auf „Kipp“ stehende Fenster in den Toiletten – bei minus 5 Grad!! -, nicht ordentlich verriegelte Fensterflügel, nicht heruntergefahrene Heizthermostate oder durch Zerstörung mutwillig herbeigeführte Verschleuderung von Energie – völlig unnötige Kosten und Energievernichtung!!

Für die 50:50 – Gruppe bleibt also auch für die Zukunft noch viel zu tun!

Die Ergebnisse der Wärmebildkameras werden wir im Anschluss an die Auswertung der Bilder durch Herrn Trenaman – dem wir an dieser Stelle für seine Geduld und fachlichen Unterweisungen ausdrücklich danken - noch auf unserer Website einstellen, so dass unser „Befund“ dann dort besichtigt werden kann.

Ein besonderer Dank gilt dem RWE, ohne dessen Unterstützung im Rahmen des Schulwettbewerbes „Pack´s an“ die Durchführung dieser – aufgrund der technischen wie fachlichen Voraussetzungen – sehr aufwendigen Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre!

Schöne Grüße, euer 50:50 – Team

Bericht: Peter Treudt